Offiziell verspricht Scrum höhere Qualität, „potenziell auslieferbare“ Inkremente und kontinuierliche Verbesserung.
In der Realität häufen sich technische Schulden oft Sprint für Sprint an und werden schließlich zu einem Tabuthema.
In vielen Teams fühlt sich der Sprint wie ein Rennen an:
• Verpflichtung zu einer bestimmten Anzahl von User Stories,
• impliziter Druck bezüglich der Geschwindigkeit,
• Überprüfungstermine verwandeln sich aufgrund von Geschäftserfordernissen in Mini-Fristen.
Das Ergebnis: Die Funktion funktioniert zwar, aber der Code ist fehleranfällig, unzureichend getestet und schwer zu warten.
In vielen Scrum-Teams ist die „Definition of Done“ (DoD) beschränkt auf:
• „Es lässt sich kompilieren.“
• „Es funktioniert auf meinem Rechner.“
• „Es ist funktional validiert.“
Funktionen werden in die Produktion überführt, während unsichtbare, aber essentielle Aufgaben aufgeschoben werden: Refactoring, automatisierte Tests, minimale Dokumentation und Architektur-Upgrades.
Dem Team ist die Verschuldung bekannt… aber sie existiert offiziell nicht:
• keine dedizierten Einträge im Produkt-Backlog,
• keine explizite Priorisierung,
• keine klaren Abwägungen auf Geschäftsebene.
Sie werden zu „Geisterschulden“, die heimlich angegangen werden, wenn ein Entwickler „etwas Zeit hat“ – mit anderen Worten, sie werden eigentlich nie angegangen.
In der Praxis sehen viele Produktverantwortliche so aus:
• fehlt die Befugnis, technische Schulden zu priorisieren,
• dem Druck von Interessengruppen ausgesetzt sein
• Es fehlen die Mittel, um die mittelfristigen technischen Auswirkungen zu messen. Die Folge: Die Roadmap füllt sich mit neuen Funktionen… während die Weiterentwicklungsfähigkeit des Produkts stillschweigend abnimmt.
Letztendlich stellt sich die Frage: „Akzeptieren wir bewusst die Schulden, die wir heute anhäufen… oder ziehen wir es vor, den Kopf in den Sand zu stecken und morgen die Folgen dieser technischen Schulden zu tragen?“
Scrum ist weder der Schuldige noch die Wunderlösung.
Hier sind einige konkrete Möglichkeiten, die Kontrolle zurückzugewinnen
Auch wenn sie keine Wunderheilung versprechen, bewirken bestimmte Praktiken in der Praxis doch einen echten Unterschied:
• die Schulden im Rückstand sichtbar machen,
• Stärkung der Definition von „Fertig“,
• explizite Zuweisung von Sprintkapazität für Qualität,
• die Retrospektive zur Erfassung technischer Kennzahlen zu nutzen, nicht nur zwischenmenschlicher.
Technische Schulden verschwinden nicht einfach.
Es wird jedoch handhabbar, sobald es gemeinsam anerkannt und als Problem verstanden wird.